Ein Blick in die Geschichte der Bedburger Narrenzunft:
Vorläufergründung 1951/52
Die Gründung des Fanfarencorps in der jetzigen Form erfolgte in der Session 1981/82.
Eigentlich müsste man jedoch korrekterweise von einer Neugründung sprechen, denn bereits in der Session 1951/52 sorgte ein BNZ-Fanfarencorps erstmalig für die musikalische Begleitung der Auftritte der Stadtwache. Angeregt durch Peter Möker gründeten Ludwig Lammertz (1. Leiter), Willi Wagner, Karl Fischer, Christian Krüppel und Josef Falkenberg dieses Corps. Zunächst trat man in geliehenen Uniformen der schwarzen Husaren auf; zwei Jahre später zählte das Corps bereits 8 Musiker und präsentierte sich dann auch in BNZ-Uniformen. In der Folge übernahm Willi Ludwig die Leitung und baute ein junges Fanfarencorps auf, das viele Jahre erfolgreich aufspielte.
Personelle Probleme in den Fanfarencorps beider Bedburger Traditionsgesellschaften führten in der Session 1972/73 dann zu einer interessanten Fusion: Das Corps von „Rot und Blau“ wurde gegründet, um dem Bedburger Karneval weiterhin mit eigener musikalischer Begleitung zu dienen. Ende der 70er-Jahre endete dieses Bündnis allerdings wieder und es folgten ein paar Jahre ohne weitere Erwähnung eines Fanfarencorps.
Neugründung 1981
1981 beschlossen André Schievenbusch, Hermann-Josef Schievenbusch und Norbert Königs die Neugründung des Fanfarencorps, so wie es heute auch noch besteht. Zum Gründungsstamm zählten außerdem Klaus Anderhalten, Thomas Clemens, Andreas Haubrichs, Marc Jungbluth, Ludger Hamacher, Jose Aubri, Frank Müller, Frank Schneider, Hans Kremer und Markus Pütz.
Bereits zu Beginn zählte das Corps also 13 Musiker (Fanfaren und Trommler) unter der Leitung von Norbert Königs und André Schievenbusch. Die musikalische Einstudierung erfolgte seinerzeit durch Erhard Schneider und Klaus Weiler. Am 23.01.1982 konnte man den viel umjubelten ersten Bühnenauftritt des „spielfähigen“ Fanfarencorps erleben. Einer der Höhepunkte der folgenden Jahre war die Präsentation des Marsches „Der alte General“, den Norbert Königs zu Ehren seines Vaters, Hans König, selbst komponiert hatte. Hans König war langjähriger Kommandant der BNZ.
Nach der Jubelsession 1986/87 („100 Jahre BNZ“) kam es zu einem berufsbedingten Wechsel in der Leitung des Fanfarencorps: Eric Schievenbusch und Per-Norman Depke übernahmen das Kommando. Das Stellvertreteramt wechselte Anfang der 90er-Jahre von Depke zu René Willkomm und 2004 zu Dominik Esser.
Um den Fortbestand des Fanfarencorps zu gewährleisten, wurde im Jahre 1991/92 die Anschaffung von Ventilinstrumenten beschlossen. Aufgrund des Engagements von Peter Meuter sen. konnte in kürzester Zeit ein erheblicher Geldbetrag gesammelt werden – hauptsächlich ermöglicht durch unzählige und überaus großzügige Spenden einer Vielzahl von Zünftlern und Gönnern. Die Anschaffung dieser Ventilinstrumente machte natürlich eine professionelle musikalische Einstudierung erforderlich. Christoph Bottler übernahm diese wichtige und nicht leichte Aufgabe; er arbeitet bis heute unentwegt mit Bravour und viel Hingabe an der stetigen Weiterentwicklung der meist „fachfremden“ jungen Musiker und an der Einstudierung neuer und alter Karnevalslieder.
2007 übergab Eric Schievenbusch die Corpsleitung an seinen jungen Stellvertreter Dominik Esser weiter. Eric konnte mit Stolz auf 20 erfolgreiche Jahre zurückblicken, in denen sich das Fanfarencorps ständig weiterentwickelt hatte. An die Seite Dominiks wurde Marc Heiartz als sein Stellvertreter gewählt. Marc Heiartz übergab dieses Amt im Jahr 2019 an Andreas Hutter weiter, als er selbst Adjutant der Stadtwache wurde.
Dominik Esser allerdings blieb seinem Amt als Leiter des Fanfarencorps bis heute treu und kann dabei auch mit berechtigtem Stolz auf sein Engagement zurückblicken. Unter seiner Leitung und in enger Zusammenarbeit mit Christoph Bottler erreichte das Corps ein auch über die Stadtgrenzen hinaus viel beachtetes Niveau. Ein Beispiel für diesen Erfolg ist die kreative Erarbeitung eines Medleys aus bekannten Karnevalsliedern, mit dem das Corps das Publikum immer wieder neu begeistert.
Neben dem qualitativen Fortschritt schaffte man es in den letzten Jahren auch immer wieder, neue junge Mitglieder ins Fanfarencorps zu integrieren und für die Blasmusik zu begeistern. Heute zählt das Fanfarencorps 34 aktive Mitglieder im Alter von 8 (Jonas Nüsser) bis 78 (Peter Winkels) Jahren.
Was ist das Besondere an diesem Corps?
Viele neue Mitglieder sagen, sie seien eingetreten, weil das Corps etwas Besonderes ist.
Was unterscheidet es von vielen anderen Corps? Die Antwort auf diese Frage ist tatsächlich vielschichtig!
In erster Linie ist es wohl der Status der Corps-Mitglieder: BNZ-Fanfaren sind Hobby-Musiker!
Wenn man allgemein an ein karnevalistisches Fanfarencorps denkt, dann findet man vor allem bei den großen Gesellschaften viele professionelle oder zumindest semi-professionelle Musiker, die ihr Leben lang Musik gemacht haben. Beim Fanfarencorps der Bedburger Narrenzunft ist man mit einer musikalischen Vorausbildung aber tatsächlich eher ein Exot. Aus diesem Grund ist der Begriff „Hobby-Musiker“ hier wirklich zutreffend und überhaupt nicht als Beleidigung zu verstehen. Denn wer sich dem Fanfarencorps anschließt, muss eben keine Erfahrungen mit einem Blasinstrument oder einer Trommel mitbringen. In den wöchentlichen Übungsstunden ist immer auch Raum, um Anfängern die Blasmusik näher zu bringen. Ob Schüler, Student, Berufstätiger oder Rentner – im BNZ-Fanfarencorps ist jeder willkommen und jeder hat die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten Musik zu machen.
Zweitens ist es sicher die Vielfalt der Auftritte des Fanfaren-Corps!
Zum Standardprogramm gehört natürlich die musikalische Begleitung der BNZ-Stadtwache und ggf. der Dreigestirne. Das Fanfarencorps sorgt überall für gute Stimmung: ob im Rather Gürzenich, im Altenheim Kaster, beim Frühschoppen in Kirdorf oder bei den „Öcher Duemjröfe“ in der altehrwürdigen Aula Carolinum in Aachen – ob bei den Karnevalseröffnungen am 11.11. oder an Weiberfastnacht in den Räumen der KSK und der Volksbank – ob bei zahlreichen Biwaks in der näheren und ferneren Umgebung: überall freuen sich die Menschen, wenn sie die Fanfarenklänge hören.
Insbesondere bleiben allerdings die nicht alltäglichen Auftritte auf den großen Bühnen in unvergessener Erinnerung:
Zum 100-jährigen Bestehen der BNZ durfte das Fanfarencorps mit der Stadtwache bei der Ostermanngesellschaft in den Sartory-Sälen zu Köln auftreten. Auftritte beim Feldkaplan Wolfgang Pütz im Karnevalsumzug von Wissen, beim Gardetreffen der Prinzengarde Düsseldorf, an Weiberfastnacht im Maternushaus des Erzbistums Köln oder zusammen mit dem Dreigestirn F.J. Esser, H.J. Sterken und Dr. W. Moll im Kristallsaal zu Köln zählen zu weiteren Highlights in der Geschichte der Fanfaren. Das Fanfarencorps wurde sogar einmal zu einem Fernsehauftritt bei SAT 1 in der Show „Genial Daneben“ mit Hugo Egon Balder angefordert.
In der Jubiläumssession 2011/12 feierte das Fanfarencorps auf Einladung des Gründungsmitgliedes Dr. André Schievenbusch sein 30-jähriges Bestehen mit einem Auftritt im Eurogress Aachen.
Unvergessen bleibt auch der 11. Januar 2020: Die BNZ-Fanfaren spielen bei der Sitzung der Fidelen Geister in Niederaußem das frisch proklamierte Kölner Dreigestirn mitsamt der Kölner Prinzengarde auf die Bühne und wieder hinunter.
Doch auch außerhalb einer Session gab und gibt es für das Fanfarencorps einige besondere Termine. So sorgen einige Fanfaren jedes Jahr beim Bedburger KITA-Sankt-Martinszug für die stimmungsvolle musikalische Begleitung. Bei den traditionellen Oktoberfesten der Bedburger Narrenzunft (2004 – 2017) begeisterte das Corps jedes Jahr aufs Neue mit zünftiger Blasmusik.
Viel Beachtung gab es auch im Mai 2019: das Fanfarencorps gab im Rahmen der „Matthias Lammet Gala“ zu Ehren des legendären BNZ-Ehrenmitglieds ein Konzert im Arkadenhof des Bedburger Schlosses. Großen Applaus erhielten die Fanfaren im August 2023, als sie mit einem Zug durch die Innenstadt den Auftakt des Bedburger SummerSound ’23 (Nachfolgeveranstaltung der Bedburger Musikmeile) gestalteten.
Höhepunkt einer jeder Session ist und bleibt aber zweifelsohne die Prunksitzung der Bedburger Narrenzunft. Hierauf arvbeitet man das ganze Jahr in der wöchentlichen Probenarbeit hin, um dem heimischen Publikum ein Medley neuer Stücke zu präsentieren und die ganze Stadtwache beim Gemeinschaftstanz musikalisch zu begleiten. Den Ausklang jeder Session bildet der Karnevalssonntag mit dem Aufspielen im traditionellen „Joddesdens op Kölsch“ in der Friedenskirche Bedburg und der musikalischen Begleitung der BNZ-Familie im Bedburger Karnevalszug.
Drittens ist es ohne Zweifel die Geselligkeit und Gemeinschafte
Neben der Musik und den Auftritten in der Session verbindet die Fanfaren vor allem eins: die Liebe zur Geselligkeit und zur Gemeinschaft. Man freut sich auf die wöchentliche gemeinsame Probenstunde und fährt auch gerne mal zu einer externen Proben-Wochenendklausur – etwa in die Jugendherberge Hellenthal. Zudem sind die Mitglieder des Fanfarencorps auch stets zuverlässige Helfer bei den zahlreichen Veranstaltungen der BNZ und wissen, dass es im Vereinsleben auf jede helfende Hand ankommt.
Doch die Fanfaren können nicht nur mit anpacken. Sie sind genauso berühmt und berüchtigt für ihre Ausdauer und Geschlossenheit in der „3. Halbzeit“. Nach den Auftritten kommt es häufiger vor, dass man gemütlich in den Altstadtstuben „versackt“ und bei dem ein oder anderen Bierchen ein paar Anekdoten austauscht.
Die gesamte BNZ ist unfassbar stolz auf ihr Fanfarencorps und gratuliert herzlich zum 44. Jubiläum mit „Dreimol vun Hätzen Bebber Alaaf“!
