Die Stadtwache 2023-2024

 

2024_Stadtwache-Organigramm

2023-24: Jubiläum “90 Jahre Stadtwache der BNZ”

90 Jahre Stadtwache

Von Carsten Esser

Die Stadtwache ist ein – wenn nicht DAS – Aushängeschild der Bedburger Narrenzunft von 1886 und hat in seiner langen Geschichte schon einiges erlebt. Seit der Gründung im Jahr 1933 – hier war die Narrenzunft schon fast ein halbes Jahrhundert im Karneval aktiv – hat die Stadtwache alle Höhen und Tiefen miterlebt. Hier spielten neben vereinsinternen Veränderungsprozessen natürlich auch äußere Umstände eine nicht unwesentliche Rolle. Dies trifft auch auf das letzte Jahrzehnt der Stadtwache zu, denn es war geprägt von Wandel, Bruch und Aufbruch.

Während die ersten acht Jahrzehnte der Stadtwache sehr männlich geprägt waren und die Mariechen in der Regel die einzigen Vertreter des – das muss der männliche Autor dieser Zeilen neidlos anerkennen – attraktiveren Geschlechts waren, so ist die Stadtwache in den letzten Jahren deutlich weiblicher geworden. Zwar gibt es die Marketenderinnen schon seit etwa der Jahrtausendwende, aber erst im letzten Jahrzehnt ist die Gruppe ein wirklich nicht wegzudenkender Bestandteil der Stadtwache geworden; im Jubiläumsjahr zählt die Gruppe mehr als 20 Mitgliederinnen.

Aber bei den Marketenderinnen ist es nicht geblieben. Erst kürzlich wurde mit der Abteilung der Offizierstöchter eine wichtige, jahrzehntelange Lücke geschlossen. Viele Jahre zuvor hatten wir ehemals aktiv tanzenden Mariechen oder Marketenderinnen in der Stadtwache keine Heimat bieten können. Sie blieben der Zunft zwar meist gewogen, konnten aber nicht mehr am Bühnengeschehen teilnehmen. Das hat oft geschmerzt, weil in diesen Personen leidenschaftliche Karnevalistinnen steckten. Mit der Jubiläumssession gehen die Offizierstöchter endlich richtig an den Start und sind auf Anhieb eine stolze Truppe mit schicken neuen Uniformen. Die Anziehungskraft einer solchen Abteilung wurde wahrscheinlich lange unterschätzt, denn neben den ehemaligen aktiven Damen haben auch komplett neue Zünftlerinnen den Weg zur Stadtwache gefunden.

Die Stadtwache ist in den letzten 10 Jahren aber nicht nur weiblicher, sondern auch jünger geworden. Während am Anfang des Jahrtausends noch zarte Pflänzchen mit den „Müus“ und später mit den „Pänz“ gepflanzt wurden, so sind die Kinderabteilungen in den letzten Jahren förmlich – im besten karnevalistischen Sinne – explodiert. Neben den Pänz gibt es nun seit einigen Jahren mit den „Ströppche“ die Abteilung für die ganz Kleinen von 0 – 6 Jahren und ab der diesjährigen Jubiläumssession auch noch die „Zunftstääne“, welche die Altersspanne zwischen den Pänz und den Markentenderinnen sinnvoll schließen.

Die Verjüngung macht sich aber auch bei den Fanfaren bemerkbar, was sicherlich noch einmal besonders hervorzuheben ist. Wenn sich Kinder aufmachen, ein Instrument zu erlernen, um damit das Brauchtum zu unterstützen, verdient dies höchsten Respekt.

Durch all diese Prozesse präsentiert sich die Stadtwache der alten BNZ heute als karnevalistische Heimat für aktive Karnevalisten im Alter von 0 – 111 Jahre oder als Zunft für die ganze Familie.

Diese Entwicklung führt dazu, dass die Stadtwache – bei voller Personenzahl vom Ströppchen bis zum Offizier – auch große Bühnen problemlos füllen und ein abwechslungsreiches Programm darbieten kann.

Das bleibt natürlich nicht unbemerkt und führte in den letzten Jahren dazu, dass die „gebuchten“ Auftritte deutlich mehr geworden sind. So gibt es mittlerweile Veranstaltungen, wo die Stadtwache fast schon Stammgast ist, aber auch immer wieder Anfragen von neuen Veranstaltern, so dass die Zunft mittlerweile im ganzen Rheinland unterwegs und bekannt ist.

Neben den Bühnenauftritten ist die Stadtwache aber auch Garant dafür, dass die eigenen Veranstaltungen der Zunft durchgeführt werden können. Nicht ganz ohne Stolz kann man sagen, dass wesentliche Bestandteile, die jetzt fest zum Portfolio der Bedburger Narrenzunft gehören, in der Stadtwache ihren Ursprung gefunden haben.

So ist neben dem Familiensommerfest oder dem Stippeföttchefess, sicher ganz besonders das BNZ Summerjeck Festival zu nennen, welches mittlerweile zu einem überregional bekannten Festival gewachsen ist, das fest zum Kulturkalender unserer Heimatstadt gehört.

Aber, wie zu Beginn dieser Zeilen schon angerissen, musste die Stadtwache auch schwere Einschnitte und große Herausforderungen meistern. Die Pandemie bedeutete einen Bruch, der in der Form viel abverlangt hat und auch Narben hinterlassen hat. Eine Karnevalsgesellschaft und im speziellen die Stadtwache lebt vom Zusammenhalt und der unbeschwerten Geselligkeit – das musste während der Pandemie ruhen und hat die Stadtwache im Kern getroffen. Tatsächlich ist es auch so, dass einige Mitglieder nach der Pandemie nicht mehr den Weg zurück zum Korps fanden, was natürlich sehr bedauerlich ist. 

Die Mitgliederzahlen der Stadtwache und der gesamten Narrenzunft zeigen – auch abseits der eingangs beschriebenen Entwicklungen – insgesamt aber ein positives Bild, denn sie sind trotz, oder vielleicht auch wegen der Pandemie deutlich gestiegen. Dies stellt die Narrenzunft zwar auch vor Herausforderungen (z.B. bei der Ausstattung von Aktiven), aber diese sind im Gegensatz zu den Widrigkeiten der Pandemie als positive Herausforderungen zu werten.

Die Stadtwache hat sich also, wie schon in den 90 Jahren zuvor, als krisenfest bewiesen, scheint unverwüstlich und bereit für das nächste Jahrzehnt. Der Slogan während der Pandemie hieß nicht umsonst #unskrittkeinerklein.

Unter den vielen personellen Wandlungen und Veränderungen sollte eine Person nicht unerwähnt bleiben, die das Wirken der Stadtwache wie keine andere geprägt hat. Der jetzige Ehrenkommandant Berti Heiartz hat nach über 30 Jahren das Amt abgegeben und schaut sich das ganze „Schmölzje“ nun aus der zweiten Reihe an. In diesem Jahr ist er ebenfalls ein Jubilar und feiert seine 50jährige Mitgliedschaft.

Lieber Berti – die Stadtwache hat Dir und Deinem Wirken eine ganze Menge zu verdanken und ohne dich stünde die Truppe nicht da, wo sie heute stünde.
Dafür ein Riesen-DANKESCHÖN!

Die Stadtwache freut sich auf das nächste Jahrzehnt und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Auf die Stadtwache – Auf die ZUNFT ein schallendes drejmol
Bebber – Alaaf!          Bebber – Alaaf!          Bebber – Alaaf!

Bütz di – ????              (wer die Bedeutung der Wörter kennt, bekommt vom Kommandanten ein Kaltgetränk ausgegeben 😉)

 

2013-14: Jubiläum “80 Jahre Stadtwache der BNZ”

Laudatio aus Anlass des 80-jährigen Jubiläums der Stadtwache der Bedburger Narrenzunft von 1886

 von Dr. Georg Kippels

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schmitz,
sehr geehrte Vertreter des Karnevalsverbands Rhein-Erft,
sehr geehrte Vertreter der ortsansässigen Vereine,
liebe Ehrengäste,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Karnevalsfreunde,

wenn man sich mit der Aufgabenstellung einer Laudatio für die Stadtwache der Bedburger Narrenzunft von 1886 befasst, bei der es sich ja nun anerkanntermaßen um eine besondere Gruppierung unseres Karnevalsvereins handelt, könnte der vordergründige Betrachter auf die Idee kommen, dass es sich nur um den Bericht unterhaltsamer Ereignisse oder aber eine Aneinanderreihung von Anekdoten handeln würde.

Jedoch bereits der erste Blick auf geschichtliche Zusammenhänge und zeitliche Abläufe lässt die Vermutung entstehen, dass Vorgänge in Brauchtumsvereinen des Rheinischen Karnevals, die weit in das vorletzte Jahrhundert zurückreichen, eine ganz andere historische Dimension haben, als einfach nur oberflächlichen Frohsinn.

Die erste Erkenntnis, die bei der Durchsicht des Archivs der Zunft ins Auge springt, ist zunächst einmal der Umstand, dass es sich bei der Stadtwache der BNZ keineswegs um eine geborene Abteilung unseres Traditionsvereins handelt. Da wir in diesem Jahr „erst“ das 80-jährige Jubiläum einer 128-jährigen Gesellschaft feiern, ergibt sich als logische Folge die Tatsache, dass bei den karnevalistischen Ursprüngen der Bedburger Narrenzunft keineswegs eine Zwangsläufigkeit einer solchen Gruppe gegeben war und es auch nicht typisches karnevalistisches Gedankengutes gab, die äußere Erscheinung in Form eines militaristisch anmutenden Chores darzustellen. Insofern waren die Ursprünge nicht mit den Kölner Corps identisch.

Die Chronik weist folgerichtig als Gründungsdatum der damals noch als „Funkenchor“ bezeichneten Gruppierung die Session 1933/1934 aus.

Zur Verdeutlichung der historischen Dimension und auch zur gesellschaftspolitischen Einordnung dieses Vorgangs muss gerade auch gerichtet an die jüngeren Gäste des heutigen Abends ein kleiner geschichtlicher Diskurs vorgenommen werden.

Die Weltgeschichte des Jahres 1933 war geprägt durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler im Deutschen Reich und dem damit verbundenen Ende der Weimarer Republik. Bereits diese enorme emotionale Diskrepanz zwischen zeitgeschichtlichem Geschehen und den Ereignissen im Bedburger Karneval zeigt aber auch, dass den karnevalistischen Unternehmungen immer eine zeitkritische und antizyklische Bewertung des gesellschaftlichen Geschehens inne gewohnt hat. So ist für das Jahr 1934 als weiteres historisches Ereignis zu vermerken, dass in diesem Jahr der Reichspräsident Paul von Hindenburg verstarb und sich Adolf Hitler als Reichspräsident und Reichskanzler an die Spitze des Staates stellte. Im Nachbarland Österreich kam es bereits erstmalig zu einem Bürgerkrieg und in China begann unter der Führung von Mao Zedongs der sogenannte „lange Marsch“ der roten Armee, der fast ein Jahr dauerte und den von den ursprünglich 100.000 Marschierenden nicht einmal 10 % überlebt haben. Auch unpolitisch gab es in diesem Zeitfenster durchaus erwähnenswerte Ereignisse.

So gewann im Jahre 1934 Italien die Fußballweltmeisterschaft vor der Tschechoslowakei, Deutschland und Österreich. Der Nobelpreis für Chemie wurde für die Entdeckung des schweren Wasserstoffs an Harold C. Urey aus den Vereinigten Staaten verliehen.

In dieses geschichtliche und gesellschaftspolitische Umfeld reiht sich nunmehr die fast beiläufige handschriftliche Notiz des Elferrates Willi Schopen ein, wonach es eine Funkengruppe als Staffage gab und diese Funken keine Mitglieder der Zunft seien.

Vorausgegangen war dieser Bemerkung eine intensive Gründungsdiskussion, die vom damals amtierenden Präsidenten Jupp Schneider als „Matrosengruppe“ in die Diskussion eingebracht wurde. Zur allgemeinen Erleichterung aller hier anwesenden kann auch heute noch festgestellt werden, dass sich dieser Gedanke glücklicherweise nicht durchgesetzt hat, sondern sehr schnell die Bezeichnung als „Funkengruppe“ Akzeptanz fand und die Versammlung mit dieser Beschreibung überzeugt werden konnte.

Auch vor 80 Jahren schloss sich dann allerdings eine heftige und intensiv geführte Diskussion über die Gestaltung und die Kosten der Uniformen an. Diese Tradition hat sich bis zum heutigen Tage tapfer und beständig erhalten und ist auch für den amtierenden Vorstand stets eine Herausforderung. Er muss zwischen den unerschöpflichen gestalterischen Vorschlägen der Damen und Herren der Stadtwache und der finanziellen Weitsicht und dem Verantwortungsbewusstsein des Schatzmeisters ausgleichen.

Erwähnenswert ist allerdings auch noch die Abfolge der Diskussion. Zunächst wurde über Kosten und Uniformen diskutiert. Nachdem hierüber Einvernehmen hergestellt worden war, mussten nur noch die Mitwirkenden gefunden werden.

Auch hier findet sich eine bemerkenswerte Parallelität zu dem ein oder anderen aktuellen Ereignis.

Eine wichtige Information für das historische Verständnis der Stadtwache ist der Hinweis, dass es sich bei den Gründungsmitgliedern der Funken des ersten Jahres alles um „echte“ Bedburger gehandelt hat. Neben dem damals noch männlichen Mariechen, das  als erstes von Alfred Ruland verkörpert wurde, der später zu unserem Ehrenkommandanten aufstieg, sind noch Namen wie Istas, Koberstein und Jüsgen sowie die auch heute noch in der Zunft intensiv vertretenen Namen Neunzig, Hohenschon, Wolter und Jungbluth zu erwähnen.

Einen ersten Auftritt erlebte die Stadtwache am 04.01.1934 in der durchgeführten – man höre – Gala-Damensitzung, bei der unter dem fünften Programmpunkt aufgeführt war „Aufmarsch und Tanz unserer Funken“.

Gleichwohl waren die Funken zum damaligen Zeitpunkt nach wie vor noch keine „vollwertigen Mitglieder“ der BNZ. Nichts desto trotz wurde der Auftritt im damals wichtigsten Nachrichtenorgan der Stadt Bedburg, „dem Erft-Boten“ erwähnt und mit hohem Lob belegt.

Die Stadtwache arbeitete sich sodann stetig in die Wahrnehmung des Publikums. Es dauerte allerdings gleichwohl bis zum 15.01.1938, als die Funken dann endlich zu vollwertigen Mitgliedern der Zunft ernannt wurden. Allerdings stand dies unter der ausdrücklichen Bedingung, dass sie keiner anderen karnevalistischen Gesellschaft angehören durften. Bedauerlicherweise führte dies auf der Stelle zum Austritt zweier Funken, die gleichzeitig auch der zweiten und damals noch sehr jungen Bedburger Gesellschaft angehörten.

Die Schrecken des II. Weltkriegs ließen sodann allerdings bald keine Gedanken mehr an Karneval und freudiges Feiern aufkommen.

Erst im November 1947 erteilte das Elferratsmitglied Willi Schopen dem Altfunken Jakob Wolter den Auftrag, sich um Uniformen für das Chor zu bemühen. Dies war umso schwieriger, als die im II.Weltkrieg in Bedburg einrückenden amerikanischen Soldaten alle Kostüme so zerschnitten hatten, dass sie nicht mehr restauriert werden konnten. Jakob Wolter wurde jedoch in Korschenbroich fündig und stattete die Funken mit geliehenen Kostümen aus. Zu diesem Zeitpunkt wurde im Übrigen unverändert die Rolle des Mariechens noch mit männlichen Funken besetzt.

In den handschriftlichen Vermerken der Präsidenten, so etwa aus dem Jahre 1948, wurde das besondere Erscheinungsbild und die Leistung des Funkenchors gewürdigt und sie wurden ab diesem Zeitpunkt zu Repräsentanten der Zunft erhoben.

Nachdem man sich in der Session 47/48 als Gäste der Ehrengarde in Köln karnevalistisch die höheren Weihen geholt hatte, wurde auch für das Jahr 1949 in Aussicht gestellt, dass das neuuniformierte Chor erneut in Köln auftreten würde.

Hierum hatte der damalige Präsident der Ehrengarde der Stadt Köln, Ferdi Leisten, nachhaltig mit der Voraussage gebeten, dass dieses Chor in Köln wahre Triumphe feiern würde.

Dies war eine  weitsichtige Vorhersage aus berufenem Munde, die sich auch heute noch als realistische Einschätzung der besonderen Leistungen und der herausragenden Darstellung der Stadtwache bewahrheitete.

Die Stadtwache gewann sodann in der Folgezeit immer mehr an Mitgliedern und karnevalistischer Routine.

Eine grundlegende Veränderung im äußeren Erscheinungsbild erfolgte in der Session 1949/1950, als vom Funkenhut, der aus Köln übernommene Hutschmuck in Form von Hering und Pfeife gegen die bodenständige und ortstypische Zuckerrübe ausgetauscht wurde.

Auch in den früheren 50igern blieb es bei der hartnäckigen Tradition, die Rolle des Mariechens durch Männer zu besetzen. Nach einem regelrechten Casting wurde etwa am 11.12.1953 der Vielen noch bekannte Hubert Clemens zum Mariechen der Zunft ernannt. Welche Kriterien jedoch für die Auswahl herangezogen worden sind, ist leider nicht überliefert.

Die durchaus liebreizende Erscheinung des Mariechens ist noch auf alten Bildern belegt.

Im Jahre 1961 war es dann endlich soweit.

Die BNZ brach im Rahmen ihrer Stadtwache mit der alten Tradition und erstmalig wurde das stets liebreizende Mariechen auch von einem tatsächlich liebreizenden weiblichen Mitglied verkörpert.

Als erstes Mariechen der Zunft präsentierte sich Marlies Jungbluth, geborene Robertz, mit ihrem Tanzoffizier Hans Engels. Diese denkwürdige Veränderung stand natürlich in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr und vor allen Dingen der Regentschaft seiner Tollität Hans I., Hans Schievenbusch, unserem unvergessenen Ehrenvorsitzenden.

Die Stadtwache zeichnete sich im Übrigen immer durch besondere Persönlichkeiten aus. So wurde die Funktion des Kommandanten von unvergessenen BNZ´lern, wie unserem Ehrenkommandanten Alfred Ruland, Fritz Noppeney, unserem Ehrenbürger der Stadt Bedburg Leo Noppeney, Heini Hamacher, unserem Ehrenpräsidenten Hans-Peter Wolter und im weiteren Verlauf Willi Ludwig oder Hans Königs ausgeübt.

Seit über 25 Jahren nimmt die Rolle nun unser Kommandant Engelbert – genannt Berti – Heiartz wahr, der noch im 100-jährigen Jubiläumsjahr 1986 als einer der insgesamt man höre und staune 4 Tanzpaare das Publikum begeisterte.

Neben Angela Clemens, Petra vom Berg, Barbara Uerlings und Sandy Lerchl waren zusätzlich als Mariechen auf der Bühne zu sehen Yvonne Ackermann, Nicole Mörckels und Maren Jaedtka. Wer an dieser Stelle aufmerksam mitgezählt hat, wird feststellen, dass wir es damals insgesamt auf 7 Mariechen in einer Zunft gebracht haben. Die Vorstellung der hiermit notwendigerweise verbundenen Ausstattungskosten würde unserem Schatzmeister heute eine gehörige Blässe um die Nase entstehen lassen.

Um aber diesen bemerkenswerten Anteil an zauberhaften Mitgliedern wieder aufleben zu lassen, hat sich die Stadtwache in der Zwischenzeit durch die Markentenderinnen verstärkt. Allerdings hat dies auf die Frage der Kostümkosten keinen senkenden Einfluss gehabt. Schönheit hat nun mal ihren Preis und Hermann hat sich daran gewöhnt.

Seit dem 100-jährigen Jubiläum ist die Stadtwache nun unumstößlicher Bestandteil der gesamten Zunft und stolzes Aushängeschild unseres Traditionscorps.

Im Jahre 1997 folgte sodann nach der 111-jährigen Session noch eine Ergänzung, als sich einige, altgediente Funken dazu entschlossen, zwar am Zunftleben und an den Aktivitäten der Stadtwache unverändert intensiv teilzunehmen, das Ganze allerdings doch etwas ruhiger angehen zu lassen und es wurde auf Initiative unserer unvergessenen Walter Bünnagel und Edgar Ackermann im Zusammenwirken mit Peter Meuter sen., Heinz Kerp, Helmut Dohmke, Horst von Danwitz und Norbert – Niff –Jungbluth, Hermann Josef – Bimbo – Jungbluth, Hans Michels sowie meiner Person das Offizierschor als Komplettierung der Truppe gegründet.

Auch an dieser Stelle wiederholte sich das seinerzeitige Ritual, dass es eigentlich erst einmal darum ging, die Uniformen und das notwendige Lametta zu entwerfen, bevor die dazugehörigen Personen gewonnen werden konnten.

In der Zwischenzeit ist allerdings auch diese Alters- und Ehrenabteilung der Stadtwache unverzichtbarer Bestandteil.

80 Jahre Stadtwache sind mithin weit mehr als nur ein sehr, sehr langes Menschenleben. 80 Jahre Stadtwache sind auch ein Spiegel karnevalistischer Entwicklung, der Fähigkeit schwerwiegende historische Phasen zu überstehen und mit ungebrochenem Frohsinn und Gemeinschaftsgeist dem rheinischen Karneval die Treue zu halten.

Wen wundert es in diesem Zusammenhang, wenn ungekrönter Höhepunkt einer jeden Sitzung der Bedburger Narrenzunft der Auftritt der Stadtwache mit seinem stolzen Chor ist und die Damen der Bedburger Gesellschaft unverändert spitze Schreien ausstoßen, wenn die Funken zum Stippefötche in die Knie gehen.

Wer in der Geschichte übrigens die Erwähnung der Fanfaren vermisst, dem ist zu erklären, daß die Fanfaren eine eigene Abteilung der Zunft mit eigener Geschichte sind und auch eine eigene Historie aufzuweisen. Auch dort konnten wir schon Jubiläen feiern. Natürlich sind sie der Stadtwache innerlich angeschlossen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Karnevalsfreunde,
Karneval in einem Traditionschor zu erleben, ist ein Jungbrunnen und ist ein Bindeglied für Jung und Alt und ein Garant für einen absoluten Augenschmaus an Damen und Herren oder besser gesagt an Mariechen, Marketenderinnen, Funken und Offizieren.
Auch ich habe meine karnevalistische Laufbahn letzten Endes bei der Stadtwache begonnen und unser Kommandant gibt immer noch gerne mal zum Besten, dass ich pflichtbewusst und ehrfurchtsvoll als Bewerbung für die Stadtwache bei ihm zum Vortanzen vorgesprochen habe. Sein erstauntes Gesicht ist mir auch heute noch in bester Erinnerung. Ich glaube es ist auch nur seiner Rührung zuzuschreiben, daß ich dann als Funke aufgenommen wurde. Echtes Talent war es jedenfalls nicht.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Karnevalsfreunde, ich gratuliere als erster Vorsitzender unserer Stadtwache von Herzen zu ihrem 80. Geburtstag, eine altehrwürdige und doch ewig junge Truppe. Ich freue mich ganz besonders, ein Mitglied der Stadtwache sein zu dürfen.

Deshalb grüße ich an dieser Stelle mit einem dreimol von Hätze Bebber Alaaf

Dr. Georg Kippels

  1. Vorsitzender der Bedburger Narrenzunft von 1886 e.V.
2013-80-Jahre-Stadtwache

2003-04: Jubiläum “70 Jahre Stadtwache der BNZ”

70 Jahre „Bebbesche Funken rut-wieß“ (Gründungsjahr 1934)

 von Heribert Latz

Die Stadtwache der Bedburger Narrenzunft feiert ein kleines Jubiläum

Es ist schon viel geschrieben worden über den Ursprung des Bedburger Karnevals, über die Entstehung der Bedburger Narrenzunft und die Gründung ihrer Stadtwache.

Ernst Schopen, Ehrenzunftmeister und langjährige Zunftschreiber der BNZ hat in seinen Chroniken zum 100- und 111- jährigen Jubiläum der Zunft und in anderen umfangreichen Beiträgen zu den Sessionsheften vorbildliche Arbeit geleistet. Ihm ist zu verdanken, dass viele Einzelheiten der Gründerzeit und über den Wiederaufbau der Funkengarde nach dem 2. Weltkrieg nicht verloren gegangen sind. Also, warum noch einmal eine Darstellung der Historie? Dafür gibt es (mindestens) zwei gute Gründe.

Erstens können und dürfen wir nicht davon ausgehen, in jedem Haushalt ein komplettes Nachschlagewerk über die BNZ vorzufinden. Zweitens, wichtiger noch, wollen wir gerade unserem jüngeren interessierten Publikum die Möglichkeit geben, etwas über die Geschichte der „Bebbesche Funken“ rut-wieß zu erfahren.

Nun, das Gründungsjahr der heute Stadtwache genannten Abteilung der BNZ wird auf 1934 datiert. Es muss aber schon weit vorher Funken in unserer Vaterstadt gegeben haben. Ein an anderer Stelle in diesem Heft abgedrucktes „Leed van de Bebbesche Funken“ aus dem Jahr 1846 gibt davon Zeugnis. Inwieweit der Inhalt den damaligen Tatsachen entspricht oder sich im Bereich der Legenden bewegt, sei dahingestellt. Das Selbstverständnis der Funken, bis heute, eine Parodie oder Verulkung des preußischen Gamaschendienstes darzustellen, ist zweifellos erkennbar.

Zum 25-jährigen Jubiläum der Narrenzunft im Jahr 1911 wird eine Funken-Infanterie und -Artillerie erwähnt, die sich am großen Rosenmontagszug beteiligte. Die Hoffnung, das Korps zu einem festen Bestandteil der Zunft zu machen, zerschlug sich, aller Wahrscheinlichkeit nach durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges.

Im Jahresbericht 1930/31 findet sich eine Bemerkung: „…an Freikarten wurden ausgegeben … für 5 Funken…“ Es gab also schon Funken, sie waren aber sicherlich nicht Mitglied der Gesellschaft und werden in einer späteren Notiz nur als „Staffage“ bezeichnet.

In einer Niederschrift vom 02. Dez. 1933 über eine Versammlung im „Hotel zum Stern“ findet sich dann folgender Abschnitt: „Dann machte er (Präsident Josef Schneider) die Anwesenden mit der Gründung eines Tanzkorps bekannt. Er schlug vor, eine Matrosengruppe zu gründen. …“ Diese Idee ist nachvollziehbar, es gab in Bedburg ein für die damalige Zeit hervorragendes Freibad, eine Schwimmabteilung der DJK und einen Kanuclub. Junge Leute wären von dort aus für die neue Formation zu werben gewesen. Doch dieser Vorschlag kam nicht durch. U.a. waren die Herren Willy Herrenbrück und Hermann Langen der Meinung, „dass für Bedburg nur echte Funken in Frage kämen.“ Man orientierte sich hier, wie in vielen anderen karnevalistischen Belangen, eindeutig am Vorbild der Stadt Köln. „Es sollte nach Mitteln und Wegen gesucht werden, auch in der BNZ diese alten Stadtsoldaten in einer Tanzgruppe einzuführen.“ Einige Tage später, die Entscheidung für eine „Funkengruppe“ war wohl gefallen, erklärte sich die Versammlung mit der Anschaffung von Funkenkostümen einverstanden. Pro Uniform sollten aber nicht mehr als 40 RM ausgegeben werden. Dass dieser Preis letztendlich um das 2 1/2-fache überschritten wurde, davon können auch heutige Zahlmeister noch ein Lied singen. Nach vielen Schwierigkeiten war die Ausstattung letztendlich komplett vorhanden. Es fehlte nur noch die entsprechende Mannschaft.

Schriftliche Unterlagen fehlen darüber. Aber ein Foto aus dem Gründungsjahr 1934 lichtet das erste Funkenkorps der BNZ vor dem Elferratstisch im Jägerhof ab. Aus heutiger Sicht bemerkenswert, das Tanzmariechen wurde von einem Mann dargestellt. Als erster schlüpfte Alfred Ruland, der spätere Kommandant und Ehrenkommandant, graziös in diese weibliche Rolle. Die Funken der ersten Stunde sollen hier noch einmal benannt werden.

Karl-Heinz Istas – Tanzoffizier, Alfred Ruland – Tanzmariechen, die Funken: Jakob Wolter, Franz Ruland, Josef Frey, Edi Jungbluth, Karl Jüsgen, Otto Koberstein, Heinz Neunzig und Willi Nettersheim.

Mann darf davon ausgehen, dass der Premierenauftritt der neuen Funken am 4. Januar 1934 erfolgte. Das Programm einer „Gala-Damensitzung“ führt unter Punkt 5.) „Aufmarsch und Tanz unseres Funkenkorps“ auf. Die Resonanz des Publikums und der Presse auf diesen ersten Schritt in die Öffentlichkeit war durchweg positiv. Der erfolgversprechende Anfang war also geschafft.

Im Jahresbericht des Schriftführers Willy Neunzig vom 10. März 1934 wird ausdrücklich der Fleiß und die Einsatzbereitschaft der Funken gelobt. Das Training von Fräulein Mia Sensen war wohl der Garant des Erfolges. Sie hatte auf die Melodien der Märsche „Hoch Heidecksburg“ und „Deutschlands Ruhm“ die originelle Choreographie entwickelt und in wochenlanger Arbeit mit den Funken umgesetzt.

Diese unerlässlichen Übungsstunden werden auch heute noch von den Funken geleistet. Die Geselligkeit kommt dabei, heute, wie in den Anfangstagen des Korps, sicher nicht zu kurz. (Der Chronist war jahrelang selbst Funke und weiß, wovon er spricht.)  Bemerkenswert ist die Tatsache, dass diese Tänze bis heute, wenn auch mit dem Zeitgeschmack entsprechenden Änderungen, unverzichtbar zu einem Stadtwachenauftritt gehören.

Die Funken etablierten sich in den Folgejahren schnell in der BNZ. Den Unterlagen kann man nur positive Berichte entnehmen. Einer der Höhepunkte der Vorkriegszeit war sicherlich das 50-jährige Bestehen der Zunft im Jahr 1936. Es ist denkbar und naheliegend, dass dieses Jubiläum auch eine Triebfeder zur Gründung der Stadtwache war.

In den Folgejahren wurde mehrmals eine Personalergänzung des Funkenkorps notwendig. Die politische Entwicklung forderte mit der Einberufung der jungen Männer zum Arbeitsdienst oder zur Wehrmacht ihren Tribut, leider auch von der Narrenzunft.

Im Januar 1938 vollzog dann die Generalversammlung eine überfällige Entscheidung. Die Mitglieder der Stadtwache wurden (endlich) vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft.

Bei einer Sitzung der „Erftgrafen“, einer KG in Grevenbroich, feierte die Gesellschaft im Jahr 1939 einen großen Erfolg außerhalb unserer Stadtmauern.

Es sollte für eine lange Zeit der letzte sein. Die kommenden Jahre ließen keinerlei Gedanken an Frohsinn oder Rheinisches Brauchtum aufkommen.

Nach den schrecklichen Ereignissen des 2. Weltkrieges erwachte trotz allem der Karneval in Bedburg schon in der Session 1946/47 zu neuem Leben. Unter dem Deckmantel des örtlichen Volksbildungswerkes gab es wieder eine entsprechende Brauchtumspflege. Karneval war ja offiziell noch durch die Alliierten verboten.

Von der Zunft hören wir ein erstes Mal wieder im November 1947. Die Versammlung vom 11.11. wählt Willi Schopen zum Präsidenten. Man beschließt, die Zunft weiterzuführen und einen Neuanfang zu wagen. Bedauerlicherweise musste festgestellt werden, dass die Uniformen der Stadtwache den Einmarsch der Befreiungstruppen nicht unbeschädigt überstanden hatten. Sie waren stark zerschnitten und schlichtweg unbrauchbar. Schon einige Tage später wird mit dem Kostümverleih Hintzen in Korschenbroich Kontakt aufgenommen. Die Bemühungen von Jakob Wolter haben Erfolg und so erfolgten die ersten Auftritte in geliehenen Uniformen. Die Namen der Aktiven sind uns erhalten geblieben: Heini Hamacher (Kommandant und Tanzoffizier), Hans Josef Becker (Mariechen) und als Funken: Hans Werner Dackweiler, Josef Frey, Edi Fassbender, Peter Hohenschon, Jakob Wolter, Martin Krichel, Rolf Lappe, Erich Minnartz und Robert Krall.

Bemerkenswert war in diesen, nicht gerade rosigen Nachkriegszeiten die Großzügigkeit der BNZ-Familie. Eine Sachspende des Schirmherrn Bertil Brunnström, Direktor der damaligen Bedburger Wollindustrie, ermöglichte schon 1948 die Neueinkleidung der Stadtwache. Gleichzeitig wurde das Korps durch einen Kommandanten, einen Adjutanten und sechs Fahnenoffiziere ergänzt. Weitere Spenden von Fred Noppel, Franz Rüdelstein, Hugo Flesch und Josef Hohenschon ermöglichten die Beschaffung von neuen Bandeleeren und Stiefeletten. Die von Metzgermeister Adam Bodden gestiftete Fahne und eine von Jean Havenith in solider Form gefertigte Standarte, die heute noch vorhanden und im Gebrauch ist, komplettierten das Erscheinungsbild der Funkengarde.

Damit war man gerüstet für die Session 1948/49. Ein Höhepunkt dieser Kampagne war zweifellos der von Ferdi Leisten vermittelte Besuch der Kölner Zentralsporthalle am Karnevalssonntsg. Der damalige Präsident der Kölner Ehrengarde hatte einen umjubelten Auftritt angekündigt und das verwöhnte Kölner Publikum hielt sein Versprechen. Die sogenannten „Buure vom Land“ konnten mit ihrer gelungenen Darbietung in der Hochburg des Rheinischen Brauchtums vollkommen überzeugen.

Die Session 1949/50 brachte eine Änderung am Hutschmuck der Stadtwache. Die von den Kölner Funken übernommen Insignien „Hering und Pfeife“ wurden durch die noch heute gebräuchliche Zuckerrübe, die „Knolle“ ersetzt.

Ein Jahr später steht für die Stadtwache, wie für die gesamte Zunft, ein besonderes Ereignis auf dem

Terminplan. Mit Prinz Heinrich Wilhelm I. (Wolter) zieht zum ersten Mal nach dem Krieg ein närrischer Regent durch die Straßen Bedburgs. Nach der langen, von politischer Seite aufgezwungenen karnevalistischen Enthaltsamkeit, muss es ein wahrer Triumphzug gewesen sein.

In einem Dokument wird belegt, dass sich an dem Umzug 285 Personen beteiligten. Wie in einem Prinzenjahr üblich, hatte die Stadtwache während dieser Session zahlreiche Auftritte zu bewältigen. In der gleichen Session gründet sich auf die Initiative von Peter Möker ein Fanfarenkorps. Unter der Leitung von Ludwig Lammertz spielten Karl Fischer, Josef Förster, Peter Möker und Christian Krüppel die Fanfaren, währen Willy Wagner mit der Landsknechttrommel den Rhythmus vorgab. Damit war der erste Grundstein zur BNZ-Musikabteilung gelegt.

Mit einer Mitgliederliste der Stadtwache aus dem Jahr1952/53 wollen wir den ersten Teil dieser kleinen Chronik beenden. Der Chronist tut dies mit dem Versprechen, sich im laufenden Jahr um weitere Informationen bei den noch lebenden Zeitzeugen zu bemühen. Die schriftlichen Unterlagen sind teilweise sehr spärlich. Daher bittet der Zunftschreiber alle Zunftmitglieder, die etwas zur Geschichte der Stadtwache beitragen können, um Mithilfe: Ob Fotos, Texte oder Erzählungen, für alle gibt es eine Verwendung. Tel.: 02272/90 50 82 (Rückgabe wird garantiert)

 

Stadtwache der BNZ in der Session 1952/53

Kommandant:                     Fritz Noppeney                                                                  Funken: Hans Engels

Adjutant:                              Leo Noppeney                                                                    Edi Fassbender

Tanzoffizier:                        Heinrich Hamacher                                                           Arno Clemens

Mariechen:                           Hubert Clemens                                                                  Peter Koenigs (C.H.)

                                                                                                                                              Martin Krichel

Fahnenträger:                      Peter Schmitz                                                                     Hanswerner Müller

Fahnenoffiziere:                 Peter Hohenschon                                                             Matthias Inden

                                               Franz Ruland                                                                      Heinrich Röckelrath

                                                                                                                                              Günter Schmitz

Standartenträger:                Josef Frey                                                                            Hans Peter Wolter

Standartenoffiziere:           Jakob Wolter                                                                       Hans Koenigs

                                               Erich Minartz                                                                     Karl Schwarz

 

Fanfarenkorpsleiter:           Ludwig Lammerz

Trommler:                            Willy Wagner

Bläser:                                   Karl Fischer

                                               Christian Krüppel

                                               Josef Falkenberg

 

Der erste Teil dieser kleinen Chronik wurde mit einer namentlichen Auflistung der Stadtwache aus der Session 1952/53 beendet. Durch einen Zufall gelangte das Zunftarchiv zwischenzeitlich zu einem entsprechenden Foto. Es wurde wohl eine Session früher aufgenommen, doch die Formation dürfte keine großen Unterschiede aufweisen. Eines fällt bei der Betrachtung auf! Das Fanfarenkorps, bereits in der Session 1950/51 gegründet und aktiv, fehlt auf dieser Aufnahme. Wie schon erwähnt, erhielt diese Gruppe erst ein Jahr später ihre rot-weißen Uniformen, hatte sich inzwischen etabliert und spielte regelmäßig bei den Auftritten der Stadtwache. Einige Protokolle berichten von erfolgreichen Auftritten u. a. im Stadt-Theater von Mönchengladbach Rheydt als Gäste der „Großen Rheydter Karnevalsgesellschaft“.

Die schriftlichen Unterlagen für die kommenden Jahre fallen sehr spärlich aus. Sie sind wohl, leider muss man sagen, durch unglückliche Umstände verloren gegangen. Einige alt gediente Zünftler fanden aber in ihren Alben noch einige Fotos aus dieser Zeit. Da der alte Spruch: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!“ selbst im digitalen Zeitalter seine Gültigkeit hat, wollen oder müssen wir uns mit dem Abdruck einiger dieser Aufnahmen begnügen.

Es darf davon ausgegangen werden, dass die Funken in jeder Session ihre Tänze aufführen konnten. Die Tradition, selbst die Mariechenrolle von einem Mann darstellen zu lassen, hielt sich bis ins Jahr 1961. Das erste weibliche Mariechen war Marlies Jungbluth (geb. Robertz), die Tochter des damaligen BNZ–Inspizienten.

Die Geschichte der Musikabteilung ist etwas wechselhafter. Die Aufzeichnungen sprechen von größeren personellen Veränderungen. Ein wichtiger Neuanfang ist eng mit der Person von Willi Ludwig (Friedhofstraße) verbunden. Sofort nach seinem Eintritt in die Zunft im Jahr 1961 bemühte er sich um den Wiederaufbau eines Fanfarenzuges. Doch schon einige Jahre später berichtet das Archiv von einem allgemeinen Mitgliederschwund in der BNZ und neuen Schwierigkeiten im Musikbereich. Dieses Problem fand in der Session 1972/73 eine geschickte Lösung. Unter der Leitung von Willi Pütz (Ritter) und Willi Ludwig (BNZ) stellten „Rot“ und Blau“ ein gemeinsames Musikkorps auf die Beine. Diese Formation hatte über mehrere Jahre eine Reihe von erfolgreichen Auftritten und begleitete zum 90-jährigen Bestehen der Zunft 1976 das erste von unserer Gesellschaft gestellte Dreigestirn.

Die Stadtsoldaten hatten währenddessen mehrere Generationswechsel erlebt. Eigenartigerweise geschah dies nicht nur einmal durch den fast kompletten Austausch eines gesamten Regimentes. Mitte der siebziger Jahre kam es wieder zu solch einem gravierenden Personalwechsel. Der Verfasser dieser Zeilen war mit damals gerade mal 25 Lebensjahren der Senior der neuen Rekruten. Acht neue Stadtsoldaten, alles Junggesellen, studierten unter Adjutant Hans Koenigs die beiden Traditionstänze ein. Es wurde wöchentlich intensiv geprobt und jedes Mal anschließend noch heftiger gefeiert. Darüber hinaus trafen sich die Jungkarnevalisten an den Wochenenden beinahe regelmäßig im gerade neu eröffneten ICI. Es sei nicht verschwiegen, oft reichte ein kleiner VW-Bus und höchstens zwei Personenwagen um mit der kompletten Stadtwache zu auswärtigen Auftritten zu gelangen. Der Freude und dem Zusammenhalt unserer Gemeinschaft hat dieser Umstand nie geschadet. Besonders gern denken die damaligen Stadtsoldaten an die Jubiläumssession mit dem Dreigestirn um Prinz Lothar I. (Michels) zurück. Es war eine schöne und unbeschwerte Zeit. Bis heute braucht man bei den Insidern oftmals nur einen Begriff zu erwähnen und bei den Beteiligten werden die Erinnerungen an schöne Erlebnisse wieder wach.

Noch etwas zur Technik in diesen Jahren. Die Musik für unsere Tänze kam von einem Spulentonbandgerät mit eingebauten Röhrenendstufen und 2 x 8 Watt Ausgangsleistung! Das Gewicht des Gerätes, pro Watt gut ein Kilogramm. Der Chronist kann dies bestätigen, er schleppte diese transportable Kraftmaschine oft genug neben seinem Kochlöffel durch die Gegend.

Nach diesen etwas schwierigen Zeiten ist seit Anfang der achtziger Jahre ein allmählicher und konstanter Aufschwung in der Stadtwache festzustellen. Unter Kommandant Hans Koenigs und Adjutant Berti Heiartz war über Jahre intensive Jugendarbeit geleistet worden. Eine Kinderfunkengruppe, der legendäre „2. Knubbel“, wurde gegründet und die Stadtwache erreichte endlich ihre Sollstärke.

Ein besonderes Ereignis ruft nach einem entsprechenden Fest. Zum Jahreswechsel 1983/84 veranstaltete das rot-weiße Korps daher einen Silvesterball. Es gab einen triftigen Grund, die Stadtwache feierte immerhin ihren 50. Geburtstag und die gesamte Zunftfamilie fand sich aus diesem Anlass in den Altstadtstuben ein. Ehrenkommandant Alfred Ruland nutzte die Gelegenheit und ließ es sich nicht nehmen, „seiner“ Stadtwache eine neue Standarte zu überreichen. Dieses von Zunftdesigner Jean Havenith entworfene Prachtstück tut bis heute, verziert mit weiteren Bannern und Wimpeln, seinen Dienst bei jedem Bühnenauftritt der BNZ.

Im Hinblick auf das 100-jährige Bestehen der Zunft war zwischenzeitlich auch im Fanfarenkorps ein neuer Anlauf gewagt worden. Es waren André und Hermann-Josef Schievenbusch, die nach einem Sitzungsbesuch bei der BNZ den Entschluss fassten, die notwendigen Initiativen zu ergreifen. Noch vorhandene Reservisten und neue Interessenten probten unter der musikalischen Einstudierung von Erhard Schneider und Klaus Weiler das notwendige Repertoire und im Januar 1982 konnte sich das neu formierte Fanfarenkorps spielbereit melden. Das Kommando auf der Bühne übernahmen André Schievenbusch und Norbert Koenigs.

Mit dieser Stadtwache, die jetzt einen soliden Personalbestand aufwies und mit viel Enthusiasmus agierte, war die BNZ bereit für die kommenden Herausforderungen.

Eine dieser Aufgaben war sicherlich das 100-jährige Bestehen der Zunft. Die Jubiläumssession 1985/86 war und ist einer der Höhepunkte in der Geschichte unserer Gesellschaft. Der Raum, der an dieser Stelle zur Verfügung steht, kann nicht ausreichen, um dieses Fest in allen Einzelheiten zu beschreiben. Die beteiligten Funken und Fanfaren haben, wie die ganze BNZ, an diese Kampagne mit dem Dreigestirn um Prinz Gerhard I. (Willkomm) bis heute noch sehr positive Erinnerungen.
Nach solchen herausragenden Ereignissen im Vereinsleben kommt es nicht selten zu Änderungen im Personalbereich. So übernimmt in der Session 1986/87 Berti Heiartz das Kommando der Stadtwache und die Leitung des Fanfarenkorps geht in die Verantwortung von Eric Schievenbusch und Per Norman Depke über. Mit wachsender Spielpraxis wird bei den Mitgliedern des Musikzuges der Wunsch nach modernen Instrumenten immer spürbarer. Bis jetzt hat man sich auf ventillose Fanfaren beschränkt. Doch für ein breiteres Repertoire und umfangreichere Möglichkeiten werden Trompeten und Posaunen notwendig. Der erhebliche Investitionsaufwand für die neuen Instrumente wird von Freunden und Gönnern der Zunft in einem von Peter Meuter geförderten Kraftakt geschultert.

Die professionelle Einstudierung durch Christoph Bottler begleitet und fördert diesen musikalischen Umbruch bis heute.

Anfang der neunziger Jahre werden personelle Engpässe bei den Funken durch den tatkräftigen Einsatz von ehemaligen Mitgliedern des so genannten Pferdchenballetts überbrückt.

Die Narrenzunft steuert jetzt, gemeinsam mit ihrer Stadtwache, auf einen neuen Höhepunkt der Vereinsgeschichte zu. Im Jahr 1997 besteht die Gesellschaft 111 Jahre, wieder ein Grund kräftig zu feiern. Wie in den anderen Prinzensessionen zuvor, unterstützten die Gardisten das Trifolium um Prinz Georg I. (Kippels) bei den zahlreichen Auftritten nach Kräften. Erfreulicherweise entwickeln sich nach diesem Jubiläumsjahr für die Stadtwache zwei neue Gruppierungen. Einmal gibt es mit den „Müüs“ eine neue Kindertanzgruppe, die erstmals 1998 zu modernen Klängen ihre modernen Tänze vorführt. Darüber hinaus bildet sich, hauptsächlich aus Reservisten der Stadtwache, ein neues Offizierskorps. Mit ihren schmucken Uniformen wertet diese Abteilung das optische Erscheinungsbild der BNZ–Stadtwache bis heute in angenehmer Weise auf.

Beenden wollen wir diese kurze Chronik mit der letzten Prinzensession der BNZ im Jahr 2001. Genau in diesem wichtigen Moment für BNZ und Stadtwache nimmt sich Kommandant Berti Heiartz ein komplettes Jahr Auszeit. Es gibt aber keine Aufregung oder Unruhe, vielmehr freut sich das Korps, ihren karnevalistischen Vorgesetzten in der Rolle der Jungfrau Bertina zu sehen. Die Funken und Fanfaren sind jedenfalls mit spürbarer Begeisterung dabei, auch Prinz Wolfgang I. (Correnz) und Bauer Fritz (Wego) durch die lange Session zu begleiten.

Bei unseren geneigten Lesern könnte jetzt der Eindruck entstehen, die Stadtwache wäre nur in der Zeit zwischen 11.11. und Aschermittwoch aktiv. Dem ist aber nicht so. Hier nur zwei Beispiele: Anfang der achtziger Jahre ging von der Kommandantur mit Hans Koenigs und Berti Heiartz eine Initiative für ein sommerliches Schlachtfest aus. Dieses Fest hatte den Ursprung in der Stiftung eines ausgewachsenen Hausschweins. Irgendwie musste und sollte diese kalorienreiche Sachspende ja eine Verwendung finden. Die Halbinsel im Schlossgelände erschien zunächst als der rechte Standort für dieses kulinarische Vergnügen. Die Unterstützung durch sachkundige Metzgermeister wurde schnell in den eigenen Reihen gefunden und so stand dem Erfolg dieser Veranstaltung nichts mehr im Wege. Nach kurzer Zeit verlegten die Organisatoren den Standort aus logistischen Gründen in den Wendehammer der Arnold-Freund-Straße. Der Stimmung des insgesamt 13x durchgeführten Vorläufers des Sommerfestes schadete dies aber nie.

Ein weiteres Highlight unseres Veranstaltungskalenders verdankt seine Entstehung ebenfalls einem Engagement unserer Stadtwache. Die allseits beliebte Karnevalsfete am Freitag nach Weiberfastnacht hat ihre Wurzeln in einer Idee der Funken und Fanfaren. Für die Jugend fehlte damals im Programm der BNZ ein entsprechendes Angebot. Mit viel Aufwand wurde eine dem Zeitgeschmack entsprechende Party auf die Beine gestellt. Der Wagemut und die Risikobereitschaft der Initiatoren zahlen sich bis heute aus. Mehr über diese Veranstaltung können sie in einem anderen Beitrag dieses Heftes erfahren.   

Im nächsten Jahr stellt die BNZ zu ihrem 120-jährigen Bestehen wieder ein Dreigestirn. Der Chronist darf wohl davon ausgehen, dass auch dieses Trifolium aus guten Gründen in gleicher Weise von der Stadtwache, dem Aushängeschild der Bedburger Narrenzunft von 1886, getragen wird.

Uns ist bewusst, dass viele Namen, Ereignisse und Anekdoten in diesem Bericht leider unerwähnt bleiben. Eines ist aber gewiss, diejenigen, die einmal dabei waren, vergessen die schönen Stunden, die sie im Kreise der Stadtwache erlebt haben, nie.

Der Verfasser, lange Zeit selbst ein aktiver Funke, kann dies nur bestätigen.

 

Gratuliert haben wir unserem Korps schon mit dem Ordensmotiv im Vorjahr,

doch dreimol „BNZ-Stadtwache“ Alaaf! muß senn!

2004-70-Jahre-Stadtwache